Die Chronobiologie ist die Wissenschaft von der biologischen Zeit, von unseren täglichen Rhythmen – wir nennen sie zirkadiane Rhythmen* – und den saisonalen Rhythmen, die unser Verhalten und unsere Physiologie bestimmen. Im Laufe der Evolution war das Wechselspiel von Tag und Nacht im Wandel der Jahreszeiten ein starkes Signal. Alle lebenden Organismen haben diese äusseren, geophysikalischen Rhythmen nach Art einer biologischen Uhr verinnerlicht. Von den kleinsten Bakterien, Pilzen und Pflanzen bis hin zu Fliegen, Fischen und Säugetieren verfügen alle Lebewesen über einen bemerkenswert ähnlichen Satz an „Uhr-Genen“, die einen inneren Zyklus von etwa 24 Stunden erzeugen.

Anna Wirz-Justice, Neurobiologin

Anna Wirz-Justice: „Daylight“, in: Olafur Eliasson. In Real Life, London, 2019, S. 42.

*Zirkadianer Rhythmus

Als zirkadianer Rhythmus wird ein biologischer Prozess bezeichnet, der innerhalb eines Organismus oder Systems in Gang gesetzt oder synthetisiert wird und in einem 24-Stunden-Zyklus verläuft. Diese Art von Rhythmus ist bei Pflanzen, Tieren, Pilzen und Cyanobakterien weitverbreitet. Obwohl letztere ohne äussere Reizgeber existieren, können sie durch Stimuli ausserhalb ihres Organismus, wie Licht und Wärme, zu einem Neustart ihres Rhythmus veranlasst werden.